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Ladenlokal sucht Existenzgründer(in)

Seit längerem nun schon bietet sich mir täglich das gleiche Bild: mit blauem Neonlicht macht der Laden auf sich aufmerksam. 30 m² sofort zu vermieten. Ich denke oft darüber nach, was sich denn darin halten könnte. Teppich Aladin hat die Räume auf der anderen Seite der Straßenkreuzung belegt, nachdem die Sparkasse eine Ecke weitergezogen ist. Nachbarn des Ladenlokals sind zwei Fleischer: ein deutscher und ein libanesischer. Bei der Fleischerei Kahl ist ab morgens um sechs Hochbetrieb. Bouletten, Pommes, Kohlrouladen und Erbsensuppe und dazu einen Kaffee zieht Polizisten wie Bauarbeiter an. Auch beim libanesischen Fleischanbieter ist viel los, wenn auch auf Imbissangebote gänzlich verzichtet wird. Ein Fleischer – welcher Ausprägung auch immer – wird sich zwischen diesen Nachbarn sicher nicht etablieren lassen.

Ich hätte gern morgen einen Cafe Latte to go. Das wäre was. Eine kleine, aber feine Cafe-Station. Aber ich glaube, das ich mit diesem Wunsch nicht die Mehrheit repräsentiere. Gegenüber hat die am längsten dauernde Baustelle endlich geschlossen und den Blick auf ein Ärzteeck freigemacht. Eine Etage ist auch bereits vermietet und seit wenigen Tagen bieten drei Zahnärzte dort ihre Dienste an. Vielleicht ist dies die Chance für das Ladenlokal? Das fände ich hübsch. Nur bitte keine Apotheke.

Immer sonntags um 17 Uhr

In Deutschland sind 31,2 Prozent der Bevölkerung katholisch und 4,4 Prozent gehen zur sonntäglichen Messe. Als ich heute auf der Müllerstraße unterwegs war, vermutete ich einen neuen Aufwärtstrend. Denn weit mehr Menschen als diese Zahlen hergeben, waren auf dem Weg in die Pfarrkirche St. Joseph. Ich wurde neugierig und ging hinterher.

Drin war es rappelvoll. Wir schauten uns ungläubig an. Unsere Neugier hielt uns einige Minuten zu lange in der Kirche: Die Messe begann. Der Pfarrer fing an zu sprechen und ich fühlte mich wie in der Sendung mit der Maus. Das war polnisch. Ein Blick in den Schaukasten vor der Tür bestätigte die Vermutung: Jeden Sonntag um 17.00 Uhr findet hier ein polnischer Gottesdienst statt. Also doch kein Aufwärtstrend für die katholische Kirche in Deutschland.

ab 14 Uhr heißt hier bis 18.28 Uhr

Das Quartiersmanagement Pankstraße hatte zum Kiezfest geladen. Ab 14h sollten unter dem Motto Kulturolympiade Internationale Musik, kulinarisches Essen, Kinderangebote, Infostände und ein Bühnenprogamm am Nettelbeckplatz geboten sein.

Als wir uns um 18.25 Uhr zum Nettelbeckplatz aufmachten, konnten wir bereits die Musik von unserer Haustür aus hören. Die Erwartung stieg. Doch bei näherem Betrachten bot sich ein trauriges Bild: Von den Infoständen waren nur noch die Stände übrig. Wenn es mehr als zwei Kinderangebote gegeben hat, so waren die schon weg, die anderen zwei am Einpacken. Vom kulinarischen Essen war nichts mehr zu sehen oder zu riechen. Oder zählt man Zuckerwatte dazu?

Auf der Bühne gab es noch eine Rap-Group in Aktion. Bei näherem Hinhören, war aber auch das wenig festlich. Zwei der Jung-Rapper hatten offensichtlich ihre jeweiligen Geschwister verloren und widmeten ihnen ein Lied. So hörten wir noch eine Liebeserklärung an einen toten Bruder und eine an eine verlorene Schwester. Dann war auch das Bühnenprogramm zu Ende. Der Abend war schneller rum war als gedacht. Wir brauchten ein Alternativprogramm. Also ab zu Karstadt! Schön sind solche Feste, die vor Ladenschluss durch sind.

In der Nachbarschaft!

In der Chausseestraße sichern sich unsere Nachbarn ab!

Wer verkauft mir morgens eine Zeitung?

Im U-Bhf. Reinickendorferstraße hat der Kiosk zu gemacht. Da ich aber gern morgens eine Zeitung kaufen möchte, nutze ich die Gelegenheit und mache auf den im Wandel befindlichen, aber mietbaren Kiosk aufmerksam. Man müsste sich sicherlich auf medizinische und chemische Zeitungen spezialisieren, um der täglichen Schering-Meute gerecht zu werden. Aber Platz für die Berliner Zeitung oder die taz bleibt dann alle mal.

Der Bahnhof ist auch vollständig gestrichen worden und kommt sehr elegant daher mit seinen weißen Wänden und dem satten grün. Wer mir morgens eine Zeitung verkaufen möchte, der meldet sich unter:

Urbanis GmbH . Potsdamer Straße 180 . 10783 Berlin . fon: 030 . 256 35 700

zu vermieten

Eine Momentaufnahme vom 26. November 2007: Die Schaufenster sind noch immer gerahmt vom tollen neuen Angebot. Hier gibt es günstige Herren- und Damenschuhe. Man ist noch mitten in der Neueröffnung. Es ist aber auch ein neuer Zettel hinzugekommen. Ein weißes Blatt Papier trägt die Aufschrift:

Zu Vermieten

01774804535

Ein Zeugnis dafür, dass es schon wieder vorbei ist mit der Selbstständigkeit. Doch ich will positiv denken: Sicher hat er einen besseren Standort für seine Schuhe gefunden und möchte nur umziehen.

Soll ich ein Paar kaufen?

Dieses Foto ist am 21. August 2007 aufgenommen. Ein junger Mann hat den Laden gemietet und verkauft für 10 (Herren) oder 15 Euro (Damen) Schuhe. Jeden Morgen bin ich an dem Laden vorbei und machte mich auf dem Weg zur Arbeit. Der junge Mann hatte seine schon aufgenommen: Er stand in dem Laden und wartete. Mit jedem Tag war es mir unangenehmer hineinzuschauen. Er tat mir leid. Niemand besuchte ihn. Ich dachte schon daran ihm den Tipp zu geben, sich ein Laptop mitzunehmen. So hätte er wenigstens in der Zeit surfen können. Aber nein, nie habe ich ihn Zeitung lesend erwischt. Einmal stand er dicht am Fenster und schaute so arg gedankenverloren in den Weddinger Himmel, dass ich mich fast dazu hätte hinreißen lassen ihm Schuhe abzukaufen. Ich konnte gerade noch widerstehen.

Abends, wenn der junge Mann schon nach Hause gegangen war, stand ich häufiger an der Schaufensterscheibe. Ich habe mich oft dabei erwischt nach einem Paar zu schauen, das mir gefällt. Ich hatte nie eines entdeckt.