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Gute Nachbarn gesucht!

sch18In unserem Haus sind zwei Wohnungen frei: Über und neben uns. Nein, wir stinken nicht. Vielmehr haben beide Jungs ihre Liebe gefunden und sind zu bzw. mit den Frauen zusammengezogen. In beiden Fällen kam das weibliche Geschlecht nicht hier her. Rückschlüsse auf die Flexibilität sind unzulässig, die Fallzahl ist zu klein.

Wir würden uns freuen, wenn leise, umsichtige, ordentliche, hilfsbereite und nette Mieter hier einziehen würden.

Deswegen möchten wir auf beide Immobilienscout-Anzeigen aufmerksam machen.

An dieser Stelle sei unbedingt noch an den netten Vermieter erinnert! Er und wir haben gute Mieter verdient 😉

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Geschichten erzählen! Heute: Vom Vermieter

Fast jeder kann Geschichten von Vermietern erzählen. Erlebter Ärger ist meist die Grundmelodie der Schilderungen. Vermieter, die die Kaution nicht voll zurückzahlen wollen. Vermieter, die bei der Wohnungsabnahme ihr Gesicht zur Faust geballt durch die Räume wandeln und die einstmals erhaltene Wohnung als Palast schildern. Aber nicht nur beim Ein- und Auszug, sondern auch während der Mietzeit kollidieren die Ineressen. Vermieter, die Baulärm nicht hören wollen. Vermieter, die bei Instandsetzungen und notwendigen Sarnierungen stets den Mieter, aber nie sich selbst in der Pflicht sehen. Und wenn, dann gern mal mit Baumarktplunder um die Ecke kommen und sich nicht scheuen über dadurch notwendige Mieterhöhungen zu reden.

Der Höhepunkt meiner Vermieterbegegnungskarriere war zweifellos am Potsdamer Humboldtring. Wir wohnten in der 16. Etage und hatten einen „Kellerraum“ in der unter uns liegenden Etage beim Einzug zugewiesen bekommen. Genauer gesagt, hatten die Vermieter es beim Einzug vergessen. Da unser Mietvertrag aber einen Kellerraum auswies, fragten wir einige Wochen später nach und bekamen fernmündlich die nötigen Informationen. Wir vereinbarten telefonisch, den Raum „92“ zu nehmen, da dieser (weder gefüllt, noch mit einem Schloss versehen) von beiden Seiten als freier Kellerraum identifiziert wurde. Fortan lagerten wir persönliche Gegenstände, handwerklich notwendige Gerätschaften, Eingelegtes und Tetrapaks dort. Eines Abends war die Milch alle und ein Gang in die 15. Etage notwendig. Dort blickten wir in einen fast besenreinen Raum und riefen die Polizei. Das Schloss war aufgebrochen und der Dieb ließ dieses und einmal Meisenfutter zurück. Auf Nachfragen bei Bauarbeitern – die sich für Renovierungsarbeiten seit Wochen im Haus aufhielten – bei Vermieter und Hauswart ergab, dass auf Anweisung des Vermietungsbüros der Hausmeister die Räume leerte. Der Grund für diese Säuberungsaktion war verwaltungswissenschaftlicher Natur. Man wollte nicht weiter akzeptieren, dass Kellernummer und Wohnungsnummer nicht immer identisch waren. Auf diese Spur wurden wir durch Verrat und Widersprüche geführt, Geständnisse folgten dem nicht. Wir entdeckten später sogar Fotos von uns auf einem Dreckhaufen vor dem Haus. Aus der erstatteten Strafanzeige habe ich eines lernen dürfen: Diebstahl ist kein Diebstahl, wenn jemand die Sachen entwendet, um sie auf den Müll zu schmeißen. Diebstahl ist nur dann Diebstahl, wenn jemand die Sachen entwendet, um diese zu behalten oder zu verkaufen. So blieb uns nur der Weg einer Zivilklage auf Schadensersatz. Wir waren dazu allerdings zu (amts)müde.

Diese und anderen Begegnungen lehrten mir Vorsicht. Seit über vier Jahren nun wohnen wir im Pankekiez und täglich muss ich neu lernen, dass diese Vorsicht hier unangebracht ist. Die Begegnungen mit unserem Vermieter waren von Beginn an von Freundlichkeit und Verständnis geprägt. Wir kennen uns untereinander. Hier wird alles repariert, hier wird geholfen und hier wird vertraut. Unser Vermieter ist kein Immobilieninvestor. Er ist an Haus und Menschen interessiert.

Als nun ein 30jährige Mieter nach 30 Jahren auszog und Bauarbeiten (Dielen, Fliesen, Wände) nötig wurden, wurde es natürlich für wenige Tage etwas lauter. Es war eigentlich nicht der Rede wert. Unser Vermieter sah dies anders und entschädigte uns für die Belästigung mit einer Präsenttüte (siehe Bild). Wo gibt es heute noch sowas?