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Landung in der Normandie

Fährt man in die Normandie, kommt man an der historischen Bedeutung des Küstenabschnittes nicht vorbei. Das ist auch gut so. Wir wandelten auch auf den Pfaden der Landung im Juni 1944. Ein Besuch des amerikanischen Soldatenfriedhofes macht beispielhaft deutlich welch (personen)starker Einsatz dies war. Gänsehaut! Mit uns waren viele andere Besucher – augenscheinlich Zeitzeugen – dort. Beim Überholen verstummten unsere Gespräche. Uns war in diesem Augenblick, an diesem Ort die eigene Sprache peinlich.

Wie alle anderen auch

Heute waren wir zwei von jährlich drei Millionen, die Mont-Saint-Michel besuchen. Dabei haben wir – wie alle anderen auch – zunächst den 1879 angelegten und 1,8 km langen Damm passiert, um für acht Euro direkt vor der Tür zu parken. Dann sind wir – wie alle anderen auch – die letzten Meter zu Fuß gegangen und über einen Steg auf die imposante Inselfestung gelangt. Noch bevor wir das zweite Tor passiert hatten, sind wir – wie alle anderen auch – für jeweils 40 Cent auf Toilette gegangen, um uns anschließend in die Menge zu stürzen.

An diesem Tag müssen ca. 500.000 der drei Millionen den Weg nach Saint Michel gefunden haben. Eng war es in der Grand Rue, der einzigen Gasse des Dorfes, welches zu Füßen der Abtei entstanden ist. Die Läden links und rechts der Gasse versprachen Erholung vom Gedränge. So haben wir zunächst – wie alle anderen auch – zwei Postkarten und dazugehörige Briefmarken für die lieben Daheimgebliebenen für insgesamt 2,30 Euro gekauft. Weiter ging es die Gasse hinauf.

Wie alle anderen auch schwitzten wir an diesem krass heißen Tag so sehr, dass wir eine Erfrischung bereits nach 100 m nötig hatten. Also haben wir uns für jeweils 2,50 Euro kaltes Wasser gekauft. Frisch gestärkt sind wir auf die Festungsmauer, um einen Blick auf die zunehmend versandete Bucht zu riskieren. Eine Tafel am Einganz hatte das Meerwasser für 14 Uhr angekündigt. Aber die Leute guckten schon Stunden vorher hin.

Der Granitfelsen auf dem sich das Kloster erhebt, gehörte ursprünglich zum Festland. Zumindest bis die Sturmflut von 709 große Landstücke mit sich riss und ihn als Insel zurück ließ. Heute kämpft man gegen die stetige Versandung der Bucht an und will für 164 Millionen sowohl einen Gezeitendamm bauen, als auch die bestehende Landverbindung gegen eine Stelzenbrücke ersetzen. Am 16. Juni 2006 war Baubeginn und nach 6 Jahren, einer üblichen Verdopplung der Baukosten und weiteren 4 Jahren soll Mont Saint Michel wieder eine richtige Insel sein. Und nicht nur wie heute eine an Neu- und Vollmond weitestgehend mit Wasser umgebene und mit einem Damm verbundene Insel.

Die Erfrischung war schnell aufgebraucht und – wie alle anderen auch – mussten wir schnell nachtanken. Diesmal zwei Eis für jeweils 2,50 Euro. Weiter ging es Richtung Le Gouffre – zu dem mächtigen Treppenaufgang, der am Ende der Dorfgasse den Zugang zum Kloster bildet.

Wir entschieden uns dann für jeweils 8,50 Euro eines der kostenpflichtigen Orte auf der Festung zu betreten. Wir lösten nicht das Kombiticket für die vier Museen, sondern entschieden uns nur „La Merveille“ (Wunder) und damit mittelalterliche Klosterbaukunst anzuschauen. Zusätzlich nahmen wir einen Audioguide (4,00 Euro) mit auf die Reise durch die heiligen Hallen. Insgesamt war dies die nachhaltigste Erfrischung, die wir auf der Insel kaufen konnten.

Wir kühlten bei unserem 2 stündigen Rundgang ordentlich runter. Vom Wachensaal die Treppen hinauf zum Almosensaal über die Westterrasse in die Abteikirche rüber zum Kreuzgang. Im sich anschließenden Refektorium nahmen die Mönche schweigend ihre Mahlzeiten ein, während einer ihnen von der Kanzel an der Südmauer vorlas. Über eine Treppe ging es runter in den Gästesaal, der genau unter dem Refektorium liegt. Weiter ging es in die Krypta der dicken Pfeiler, die den Chor der Abteikirche stützt. Anschließend in die ebenfalls als Substruktion dienende St-Martins-Krypta. Durch einen kleinen Durchgang in den Karner der Mönche. Durch die St-Stephans-Kapelle über die unterhalb der Westterrasse liegende Nord-Süd-Treppe zur Wandelhalle. Durch den Rittersaal zum Almosensaal und damit zum Ende der Besichtigung der „Merveille“.

Draußen angekommen nahmen wir mit Freude die aufgezogenen Wolken am Himmel wahr. Dennoch mussten wir uns stärken. Weniger zur Erfrischung, als vielmehr aufgrund des landauf, landab als Hunger bekannten Antriebes. Wie alle anderen auch suchten wir eines der Restaurants auf. So erwarben wir zum sofortigen Verzehr für jeweils acht Euro einen Crepe plus Softgetränk für jeweils 4,00 Euro. Da in Frankreich selbst Ein-Gang-Menüs mit einem Kaffee gekrönt werden, entschieden wir uns (jeweils 2,20 Euro) für Espresso. Anschließend verließen wir über die Dorfgasse und ein Eis (2,50 Euro) und die am Eingang befindliche Toilette (0,80 Euro) die Festung.

Für 73,80 Euro haben wir dort sicher einen durchschnittlich teuren Tag verbracht. Wenn das alle drei Millionen Besucher so machen, dann haben sie in einem Jahr 221 400 000 zusammen und damit das Bauprojekt schneller wieder raus als die Umsetzung dauern wird.