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„Out of Pankekiez 2008“ online

Ich habe die Bilder unserer Tour geflickrt. Wer will klickt und kann unseren Weg Berlin – Karwendel – Innsbruck – Gardasee – Bergamo – Mailand – Cote d’Azur – Grand Canyon du Verdun – Avignon – Ardeche – Bretagne – Normandie – Paris – Champagne – Berlin angucken.

Videonachtrag „out of Pankekiez“

Leider klappte es mit dem Hochladen der Videos auf unserer Reise nie. So dass wir diese heute nachschieben. Zunächst ein Eindruck vom Theaterfestival in Avignon:

Dann noch bewegte Bilder von tanzenden Bretonen. Hier in Concarneau und Quimper aufgenommen und zusammengeschnitten. Mit Tracht haben sie leider nie tanzen gesehen:

Dass wir während unserer Tour auf „La Tour“ getroffen sind, hatten wir geschrieben. Um den Satz „Die Tour begann mit 42 Werbeunterbrechungen“ zu unterstreichen, dieses Video für euch:

Dank der Ausreißergruppe dauerte aus Sicht des Straßenzuschauers die 14. Etappe inklusive aller Begleitfahrzeuge ganze drei Minuten. So sah es aus an der Straße, unweit von Villemus:

700 Stufen bei 35 Grad

Wie verhält man sich am besten bei 35 °C? Am besten fährt man bei solchen Temperaturen ans Wasser oder auf luftigere Höhen. Man fährt besser nicht in eine Metropole. Und wenn, dann fährt man am besten nicht zur Mittagszeit zur Hauptattraktion der Stadt. Man fährt besser in einen Park und sucht sich ein schattiges Plätzchen oder geht in ein klimatisiertes Kaufhaus. Und wenn, dann wählt man besser den richtigen Aufgang und nimmt den Fahrstuhl hoch auf die Aussichtsplattform. Man stellt sich besser nicht am einzigen der vier Aufgänge an, bei dem der Aufstieg nur per Treppe möglich ist. Und wenn, dann hat man besser viel zu trinken dabei und trotzdem wenig zu schleppen. Man nimmt besser nicht eine Tasche mit allen Paris nötigen Touristen-Utensilien mit, die man mit hochbuckeln muss. Und wenn, dann stellt man sich auf dem Second Floor an die Schlange an, die im Schatten warten muss. Man wählt besser nicht die Seite, die eine halbe Stunde in der brütenden Sonne in Richtung Fahrstuhl Stück für Stück vorrückt.

Als wir oben waren, hatten wir in dieser Höhe einen rettenden Windzug erwartet. Aber nicht mal ein Lüftchen wehte auf dem Eiffelturm. Wir also wieder runter und ein Eis zu Eiffelpreisen gekauft. Beim Wegschlabbern des teuren Teils revidierten wir den Plan für den Tag. Statt durch die Straßen von Paris zu flanieren, wollten wir nun mit der Metro von Punkt zu Punkt fahren.

Zum Glück gab es an jedem dieser Punkte Stände mit in Touristenwährung erhältlichen Erfrischungen. Oslo mag die teuerste Stadt der Welt sein, aber im skandinavischen Hochsommer muss man nicht so häufig kaltes Wasser kaufen.

Landung in der Normandie

Fährt man in die Normandie, kommt man an der historischen Bedeutung des Küstenabschnittes nicht vorbei. Das ist auch gut so. Wir wandelten auch auf den Pfaden der Landung im Juni 1944. Ein Besuch des amerikanischen Soldatenfriedhofes macht beispielhaft deutlich welch (personen)starker Einsatz dies war. Gänsehaut! Mit uns waren viele andere Besucher – augenscheinlich Zeitzeugen – dort. Beim Überholen verstummten unsere Gespräche. Uns war in diesem Augenblick, an diesem Ort die eigene Sprache peinlich.

Wie alle anderen auch

Heute waren wir zwei von jährlich drei Millionen, die Mont-Saint-Michel besuchen. Dabei haben wir – wie alle anderen auch – zunächst den 1879 angelegten und 1,8 km langen Damm passiert, um für acht Euro direkt vor der Tür zu parken. Dann sind wir – wie alle anderen auch – die letzten Meter zu Fuß gegangen und über einen Steg auf die imposante Inselfestung gelangt. Noch bevor wir das zweite Tor passiert hatten, sind wir – wie alle anderen auch – für jeweils 40 Cent auf Toilette gegangen, um uns anschließend in die Menge zu stürzen.

An diesem Tag müssen ca. 500.000 der drei Millionen den Weg nach Saint Michel gefunden haben. Eng war es in der Grand Rue, der einzigen Gasse des Dorfes, welches zu Füßen der Abtei entstanden ist. Die Läden links und rechts der Gasse versprachen Erholung vom Gedränge. So haben wir zunächst – wie alle anderen auch – zwei Postkarten und dazugehörige Briefmarken für die lieben Daheimgebliebenen für insgesamt 2,30 Euro gekauft. Weiter ging es die Gasse hinauf.

Wie alle anderen auch schwitzten wir an diesem krass heißen Tag so sehr, dass wir eine Erfrischung bereits nach 100 m nötig hatten. Also haben wir uns für jeweils 2,50 Euro kaltes Wasser gekauft. Frisch gestärkt sind wir auf die Festungsmauer, um einen Blick auf die zunehmend versandete Bucht zu riskieren. Eine Tafel am Einganz hatte das Meerwasser für 14 Uhr angekündigt. Aber die Leute guckten schon Stunden vorher hin.

Der Granitfelsen auf dem sich das Kloster erhebt, gehörte ursprünglich zum Festland. Zumindest bis die Sturmflut von 709 große Landstücke mit sich riss und ihn als Insel zurück ließ. Heute kämpft man gegen die stetige Versandung der Bucht an und will für 164 Millionen sowohl einen Gezeitendamm bauen, als auch die bestehende Landverbindung gegen eine Stelzenbrücke ersetzen. Am 16. Juni 2006 war Baubeginn und nach 6 Jahren, einer üblichen Verdopplung der Baukosten und weiteren 4 Jahren soll Mont Saint Michel wieder eine richtige Insel sein. Und nicht nur wie heute eine an Neu- und Vollmond weitestgehend mit Wasser umgebene und mit einem Damm verbundene Insel.

Die Erfrischung war schnell aufgebraucht und – wie alle anderen auch – mussten wir schnell nachtanken. Diesmal zwei Eis für jeweils 2,50 Euro. Weiter ging es Richtung Le Gouffre – zu dem mächtigen Treppenaufgang, der am Ende der Dorfgasse den Zugang zum Kloster bildet.

Wir entschieden uns dann für jeweils 8,50 Euro eines der kostenpflichtigen Orte auf der Festung zu betreten. Wir lösten nicht das Kombiticket für die vier Museen, sondern entschieden uns nur „La Merveille“ (Wunder) und damit mittelalterliche Klosterbaukunst anzuschauen. Zusätzlich nahmen wir einen Audioguide (4,00 Euro) mit auf die Reise durch die heiligen Hallen. Insgesamt war dies die nachhaltigste Erfrischung, die wir auf der Insel kaufen konnten.

Wir kühlten bei unserem 2 stündigen Rundgang ordentlich runter. Vom Wachensaal die Treppen hinauf zum Almosensaal über die Westterrasse in die Abteikirche rüber zum Kreuzgang. Im sich anschließenden Refektorium nahmen die Mönche schweigend ihre Mahlzeiten ein, während einer ihnen von der Kanzel an der Südmauer vorlas. Über eine Treppe ging es runter in den Gästesaal, der genau unter dem Refektorium liegt. Weiter ging es in die Krypta der dicken Pfeiler, die den Chor der Abteikirche stützt. Anschließend in die ebenfalls als Substruktion dienende St-Martins-Krypta. Durch einen kleinen Durchgang in den Karner der Mönche. Durch die St-Stephans-Kapelle über die unterhalb der Westterrasse liegende Nord-Süd-Treppe zur Wandelhalle. Durch den Rittersaal zum Almosensaal und damit zum Ende der Besichtigung der „Merveille“.

Draußen angekommen nahmen wir mit Freude die aufgezogenen Wolken am Himmel wahr. Dennoch mussten wir uns stärken. Weniger zur Erfrischung, als vielmehr aufgrund des landauf, landab als Hunger bekannten Antriebes. Wie alle anderen auch suchten wir eines der Restaurants auf. So erwarben wir zum sofortigen Verzehr für jeweils acht Euro einen Crepe plus Softgetränk für jeweils 4,00 Euro. Da in Frankreich selbst Ein-Gang-Menüs mit einem Kaffee gekrönt werden, entschieden wir uns (jeweils 2,20 Euro) für Espresso. Anschließend verließen wir über die Dorfgasse und ein Eis (2,50 Euro) und die am Eingang befindliche Toilette (0,80 Euro) die Festung.

Für 73,80 Euro haben wir dort sicher einen durchschnittlich teuren Tag verbracht. Wenn das alle drei Millionen Besucher so machen, dann haben sie in einem Jahr 221 400 000 zusammen und damit das Bauprojekt schneller wieder raus als die Umsetzung dauern wird.

Steinerne Krone über den Fluten

Wir mussten feststellen, dass eine vollständig geschlossene Altstadt kein Alleinstellungsmerkmal von Concarneau ist, sondern vielmehr einer typischen Altstadtbauweise entspricht. In St Malo nun trafen wir auf die Krone diesen Types.

Hier sind die Häuser und Mauern vollständig aus dem grauen Granit der Region und bilden eine optische Einheit: eine granitene Zelle sozusagen. Dabei ist das meiste gar nicht alt, sondern nach dem Zweiten Weltkrieg – in dem Luftangriffe St-Malo zu 80% zerstörten – komplett im klassizistischen Stil des 18. Jh. wieder aufgebaut worden. Einzig die Mauer ist komplett erhalten geblieben. Auf dieser sind wir entlang gelaufen und haben die neue alte „Ville close“ in etwa einer Stunde umzingelt (mit Fotos machen).

Einen eigenen Flughafen hat es nicht

Zum Cap Fréhel gelangt man zu Fuß, mit dem Fahrrad, in ganzen Busladungen, mit Auto und individuell oder organisiert per Boot. Alles war da, um über karge Heidekrautflächen zu wandern und die Steilküste, die im Umkreis des Kaps in Tiefen von 72m fast senkrecht abfällt, zu bewundern. Auch Rundflüge zum Kap müssen möglich sein, denn in immer gleichen Abständen kam ein Flugzeug vorbei.

Farbe nur bei Sonne

Als wir die Küste erreichten, erschien sie blass und gar nicht rose. Bretonischer Nieselregen und dicke Wolken machten es möglich. Wir nutzen die Zeit und stopften den ganzen Abend beide Campingplatz-Maschinen voll. Waschen und trocknen für 33 Euro. Am nächsten Morgen endlich strahlend-blauer Himmel auch in der Bretagne. Wir nutzten das schöne Wetter für Ausschlafen, Frühstücken, Ausschlafen.

Da um 15 Uhr der Himmel noch immer blau war, sind auch wir los zur Granitküste, die dank der Sonne ihre Farbe nun angeschaltet hatte. Entlang des Pfades der Zöllner – Sentier des Douaniers – leuchtete die Küste rosefarben und wurde nur von unglaublichen Sandstränden dabei unterbrochen. Grund genug für uns noch einen Tag dran zu hängen, um in Trestraou in den Atlantik zu springen, während andere den Zöllnerpfad für einen 20km-Lauf nutzten und auf der Küstenstraße begleitet von begeisterten Zuschauen und Kommentatoren am Mikro ins Ziel kamen.

Intermarché ist teuer

Als Kind habe ich oft darüber nachgedacht, was es wohl kosten würde, nähme ich alle Produkte meiner Wahl oder besser noch von jedem Produkt im Laden eines mit. Beim Einkaufen in Lannion bekamen wir die Antwort: zwei Millionen und achthundertdreiundfünfzigtausend fünfhunderteinundfünfzig Euro und acht Cent. Nur, dass wir nur 22 Artikel ausgewählt hatten.

Das Einkaufen sollte nur ein kurzer Zwischenstopp auf dem Weg zum Campingplatz werden. Wir rein in den Laden, Waren unseres Begehrens gewählt und auf das Band gelegt. Kreditkarte abgegeben und gewartet. Die Kartenmaschinen in Frankreich sind etwas langsam – daran hatten wir uns gewöhnt. Aber selbst für französische Verhältnisse dauerte es ungewohnt lang. Begleitet wurde die Wartezeit von immens großen Augen der Kassiererin, sobald sie auf den Bildschirm ihres Rechners starrte. Eilig wurde ein Telefonat geführt und eine weitere Person herbeigerufen. Da erkannten auch wir, was da angeschlagen war. 853551,08 Euro stand auf dem zu uns gerichteten Display. Mehr Ziffern konnte dieses nicht anzeigen – die zwei Millionen hatte es unterschlagen. Der Computer war der Meinung, wir sollten 2,8 Millionen für Butter, Brot, Joghurt und Gemüse zahlen. Eine weitere Person kam und nahm sich unseres Problems an. Sie schloss den Schrank unter der Kasse auf und drückte die befreiende Reset-Taste. Doch auch nach dem minutenlangen Hochfahren, blieb er bei seiner Meinung.

Mittlerweile wurde unsere Kasse für den nachkommenden Kundenverkehr geschlossen. Das Interesse der anderen Kassenschlangen war uns gewiss: Ein Blick auf den Monitor der Kassiererin löste staunende Blicke aus, gefolgt von mitleidigen, sobald man unsere „Beute“ sah.

Ganze 30 Minuten und ein weiteres Reseten später, erklärte man uns in feinem und aufgeregtem Französisch, das alles kein Problem sei, schließlich sei kein Bon aus der Quittiermaschine heraus gekommen. Ungläubig zogen wir weiter. Die nächste Kreditkartenabrechnung kann interessant werden.

Bei Laternenhaus dachten wir an Gas

Und wieder war der Baedecker schuld daran, dass wir die N 12 ein zweites Mal verließen. Diesmal um uns Laternenhäuser aus dem 15.-17. Jahrhundert anzusehen. Beim Lesen dachten wir beide sofort an alte Gaslaternen. Doch die haben wir nicht gesehen und eigentlich wissen wir bis heute nicht was Laternenhäuser sind. Das Ortsbild wird jedenfalls vom 285m langen Eisenbahnviadukt bestimmt und nicht von diesen Häusern. Es lenkte auch uns ab und wir spazierten auf dem Viadukt herum.

Um dann noch herauszufinden, was die Laternenhäuser sein sollten, sind wir in einen Souvenirshop und guckten die Postkarten an. Schnell war klar, wir waren mittendrin: Der Souvenirladen war in einem solchen Haus untergebracht und die Straße, die wir vom Parkplatz zum Fuße des Viaduktes gelaufen waren, voller Laternenhäuser. Ein Bild später ging es weiter: Nur noch einkaufen und dann campen. Mittlerweile war auch klar, welche Küste wir ansteuern würden. Die Côte du Granit rose hatte zwei Baedecker-Sterne und die Côte du Goëlo nur einen.