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Jetzt geht alles sehr schnell

Ich habe lange nichts über den Laden im Nachbarhaus geschrieben. Dabei ist immer mal etwas passiert. Nur waren es leider keine grundlegenden Bewegungen, von denen ich hätte berichten können. Vielmehr stand ich viele Morgen vor der Schaufensterscheibe und fragte mich, ob nicht doch jemand da gewesen ist. Aber der Reihe nach:

Ende 2008 wurde ich fast täglich mit neuen selbstgemalten Botschaften umworben. Der Ladenbesitzer pinselte gegen seine kaufmännische Herbstdepression. Er preiste wechselnd die Sonderkonditionen aller Handyatrifmodelle und -anbieter. Als erstmals auch ein Kindermotorrad im Angebot war, bekam ich den Hauch einer Ahnung, dass hier alles versucht wird. Vor ein paar Tagen nun standen die Ausstattungsutensilien der Anbieterfirmen zum Verkauf. Wer zwei Nokia-Regale erwerben wollte, brauchte dafür nur 50 Euro. Nur kaufen konnte man sie nie, denn zur Überbrückung von Angebot und vielleicht vorhandener Nachfrage fehlte der Verkäufer. Seit Wochen war er nicht mehr aufgetaucht und die angeschlagenen Öffnungszeiten nicht mehr als eine Absichtserklärung.

angebote

Mich hatte die geschlossene Ladentür noch nicht irritiert. Zu Beginn des Jahres traf ich auf das gleiche Bild. Dieses wurde dann um einen Zettel erweitert, auf dem vermerkt war, dass er sich um seinen zweiten Laden derzeit mehr kümmere und demnach in der Badstraße zu erreichen sei. Dieser Ladenzustand wurde abgelöst von einer kleinen Sortieraktion und neuem Personal: die Handyangebote verschwanden unter den Ladentisch und das Reisebüroregal wurde entstaubt und nach vorn geschoben. Ein kleiner Schreibtisch ersetzte die Ladentheke und der Verkäufer jetzt täglich im Geschäft. Nur hatte er auf einmal einen hochtoupierten Zopf und war während der Öffnungszeiten vorrangig am Zustand seiner Fingernägel interessiert. Seine Schwägerin/Schwester/Freundin oder Bekannte war aber ebenso unerfolgreich und schonbald blieb die Tür wieder verschlossen. Die zu Verschönerungszwecken aufgestellten Blumen vertrockneten.

Ich musste jetzt sehr aufmerksam beobachten, um herauszufinden, ob überhaupt noch jemand den Laden betrat. Manchmal war der Stuhl morgens etwas weiter vom Tisch abgerückt als abends. Die Tür zum Hinterraum stand mal auf und war anderntags doch auch mal verschlossen. Auffälliger war das Ausräumen bestimmter Gegenstände. Eines Tages fehlte ein Wandregal, dann lag mehr Müll auf dem Boden oder Waren aus dem Schaufenster verschwunden. Lange war klar, das wird nicht mehr gut. Meine Vertragsverlängerung habe ich lieber online vorgenommen, statt dieses Geschäft aufzusuchen.

Jetzt in den letzten Tagen ging doch alles sehr schnell. Noch bevor ich realisierte, dass die nächtlichen Räumaktionen die Auflösung des Ladens bedeuteten, hingen neue Leute in Arbeitsklamotten hinter der Glasscheibe rum. Was die neuen Mieter auf den Markt bringen werden, ist noch geheim. Sie haben sich hinter Tageszeitungseiten verbarrikadiert:

zeitungsgeheimnis

Hier tut sich etwas

Zurück im Pankekiez musste ich entdecken, dass sich etwas im Ladenlokal meiner Beobachtung tut. Was genau, ist noch nicht zu erkennen. Ich glaube aber nicht, dass es der erwähnte Bio-Veganer wird. Ich halte euch auf dem Laufenden.

Ladenlokal sucht Existenzgründer(in)

Seit längerem nun schon bietet sich mir täglich das gleiche Bild: mit blauem Neonlicht macht der Laden auf sich aufmerksam. 30 m² sofort zu vermieten. Ich denke oft darüber nach, was sich denn darin halten könnte. Teppich Aladin hat die Räume auf der anderen Seite der Straßenkreuzung belegt, nachdem die Sparkasse eine Ecke weitergezogen ist. Nachbarn des Ladenlokals sind zwei Fleischer: ein deutscher und ein libanesischer. Bei der Fleischerei Kahl ist ab morgens um sechs Hochbetrieb. Bouletten, Pommes, Kohlrouladen und Erbsensuppe und dazu einen Kaffee zieht Polizisten wie Bauarbeiter an. Auch beim libanesischen Fleischanbieter ist viel los, wenn auch auf Imbissangebote gänzlich verzichtet wird. Ein Fleischer – welcher Ausprägung auch immer – wird sich zwischen diesen Nachbarn sicher nicht etablieren lassen.

Ich hätte gern morgen einen Cafe Latte to go. Das wäre was. Eine kleine, aber feine Cafe-Station. Aber ich glaube, das ich mit diesem Wunsch nicht die Mehrheit repräsentiere. Gegenüber hat die am längsten dauernde Baustelle endlich geschlossen und den Blick auf ein Ärzteeck freigemacht. Eine Etage ist auch bereits vermietet und seit wenigen Tagen bieten drei Zahnärzte dort ihre Dienste an. Vielleicht ist dies die Chance für das Ladenlokal? Das fände ich hübsch. Nur bitte keine Apotheke.

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Eine Momentaufnahme vom 26. November 2007: Die Schaufenster sind noch immer gerahmt vom tollen neuen Angebot. Hier gibt es günstige Herren- und Damenschuhe. Man ist noch mitten in der Neueröffnung. Es ist aber auch ein neuer Zettel hinzugekommen. Ein weißes Blatt Papier trägt die Aufschrift:

Zu Vermieten

01774804535

Ein Zeugnis dafür, dass es schon wieder vorbei ist mit der Selbstständigkeit. Doch ich will positiv denken: Sicher hat er einen besseren Standort für seine Schuhe gefunden und möchte nur umziehen.

Soll ich ein Paar kaufen?

Dieses Foto ist am 21. August 2007 aufgenommen. Ein junger Mann hat den Laden gemietet und verkauft für 10 (Herren) oder 15 Euro (Damen) Schuhe. Jeden Morgen bin ich an dem Laden vorbei und machte mich auf dem Weg zur Arbeit. Der junge Mann hatte seine schon aufgenommen: Er stand in dem Laden und wartete. Mit jedem Tag war es mir unangenehmer hineinzuschauen. Er tat mir leid. Niemand besuchte ihn. Ich dachte schon daran ihm den Tipp zu geben, sich ein Laptop mitzunehmen. So hätte er wenigstens in der Zeit surfen können. Aber nein, nie habe ich ihn Zeitung lesend erwischt. Einmal stand er dicht am Fenster und schaute so arg gedankenverloren in den Weddinger Himmel, dass ich mich fast dazu hätte hinreißen lassen ihm Schuhe abzukaufen. Ich konnte gerade noch widerstehen.

Abends, wenn der junge Mann schon nach Hause gegangen war, stand ich häufiger an der Schaufensterscheibe. Ich habe mich oft dabei erwischt nach einem Paar zu schauen, das mir gefällt. Ich hatte nie eines entdeckt.

Existenzgründung auf Weddingsch

Vom Businessplan zur Geschäftsidee zur Existenzgründung. Eine idealtypische Beschreibung. Ich glaube Existenzgründung auf Weddingisch geht einfacher: Man mietet sich eines der vielen freistehenden Ladenlokale und stellt seine Produkte und sich selbst einige Tage – respektive Monate – in den neu gemieteten Raum. An das Fenster schreibt man, um welche Produkte es sich handelt. Ab sofort gilt es zu warten, und zu warten, und zu warten. Solange bis man merkt, das weniger Menschen in den Laden hineinkommen, als draußen vorbeigehen. Die Schere geht so weit auseinander bis man seine Miete nicht mehr zahlen kann. Dann schreibt man an die Scheibe zusätzlich etwas wie „Räumungsverkauf“ oder „Alles muss raus“. Manchmal steht die Neueröffnung auch zusammen mit dem Räumungsverkauf am Fenster, weil alles eben doch sehr schnell ging.

Das ist die These, die es zu überprüfen gilt. In meinem Nachbarhaus gibt es ein solchen mietbaren Raum. Ich werde diesen künftig beobachten. In der Kategorie [der Laden] könnt ihr seine Geschichte verfolgen.