Schlagwort-Archive: Chausseestraße

20 Jahre Mauerfall

Einheit

Auf der Grünfläche Chauseestraße/Liesenstraße steht das von Hildegard Lest bereits 1962 – also ein Jahr nach dem Mauerbau – entworfene Kunstwerk „Wiedervereinigung“. Es wurde damals so aufgestellt, das mit Blick in Richtung des Grenzüberganges Chausseestraße es aussah, als reichten sich zwei Menschen über eine Kluft die Hände.
Heute ist diese Kluft verschwunden und der Grenzübergang Chausseestraße würde beim Passieren der ehemaligen Kontrollstelle ohne die aufgestellte Erinnerungsplexitafel unbemerkt bleiben. Die Wiedervereinigung, die sich Hildegard Leest 1962 wünschte, ist bereits 20 Jahre Realität. Ost und West haben sich die Hände gereicht – zumindest einige.

Als ich vor einigen Tagen auf die Grünfläche einbog, leuchtete die aus Muschelkalkstein gefertigte 2,40 Skulptur heller als an anderen Tagen. Das Kunstwerk wurde „neuzeitlich interpretiert“ und von einem Unbekannten um einen orangefarbenen Plus-Einkaufswagen erweitert. Wollte uns dieser nicht entdeckte Interpret damit sagen, das die fehlende Warenvielfalt, der eingeschränkte Konsum und die häufigen Versorgungsengpässe den Wunsch von Hildegard Leest erfüllten?

Post wegen Krankheit geschlossen. Mitten in Berlin.

Schweinegrippe

Ich hatte Hunger und nichts im Haus. Da ich die Bestelldienste der Umgebung bereits alle einmal hatte antreten lassen, brauchte ich eine bessere, eine andere Lösung für mein Mittagessen. Um aber nicht nur dem Hunger nachzugeben und aus niederen Instinkten vor die Tür zu treten, war ich auf der Suche nach einer sinnvollen Anreicherung dieses Weges.

Ein hastiger Blick durchs Zimmer brachte mir die noch nicht zurückgesandten Pakete der letzten Internetbestellungen in Erinnerung. Also schnappte ich mir die sperrigen Kartons und machte mich auf über den Grenzübergang Richtung Mitte. Der Focaccialaden und die Postfiliale lagen nah und eng genug, um den Draußenausflug kurz und effizient zu gestalten. Allerdings vereitelte ein mittels Tesafilm von innen an die Eingangstür der Post angebrachter Zettel meine logistischen Grundüberlegungen. Die Filiale sei aus Krankheitsgründen von 12-14h geschlossen. So dackelte ich mit meinen sperrigen Kartons und zwei nicht minder unhandlichen Pizzaschachteln zurück über die Grenze in den Wedding und malte mir auf diesem Rückweg die schrecklichsten Krankheiten aus, die die Angestellten dieser Postfiliale heimgesucht haben könnten. In meinen farbigsten Vorstellung trugen sie grüne Flecken, die sich ganz schrecklich mit den gelben Posttrompeten auf ihren Krawatten und Halstüchern bissen, in Gesicht und auf den Händen. Am nächsten Tag brachte ich die Pakete in die Gerichtstraße und wurde von einem tätowierten kahlköpfigen Postbeamten bedient. Klar, den haut so schnell nix um!

Eine Bildergeschichte: Entlang der Panke

Die Panke gab nicht nur unserem Kiez ihren Namen, sondern auch die Brandenburger Gemeinde Panketal und der Ortsteil Pankow im gleichnamigen Bezirk sind nach ihr benannt. Ich möchte an dieser Stelle nicht alles über die Panke erzählen, das haben andere bereits viel besser getan. Ich will euch auf eine Bilderreise entlang der Panke mitnehmen:

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Der Wedding kommt…

Der Wedding kommt nicht, er war immer da. Der Wedding kommt anders. Der Wedding kommt, wir sind schon da. Der Wedding kommt wieder, Berlin bleibt rot.

All diese Überschriften sind googelbar. Viele andere erscheinen turnusgemäß in Stadtmagazinen oder Zeitungsbeilagen. Der Weddinger selbst interessiert sich wenig dafür. Aber wir im Pankekiez schauen auf diese Schlagzeile und denken dabei immer häufiger an die Baustelle in der Chausseestraße. Es ist keine gewöhnliche Baustelle. Ein blickdichter Holzzaun verhindert die Sicht auf das Baugeschehen. Zusätzlich stehen alle paar Meter Laternen und Videokameras und achten darauf, dass dies so bleibt. Ein Wunder, dass die Bewohner gegenüber keine blickdichten Gardinen erhalten haben. Im Mai 2008 war Grundsteinlegung und 2012 sollen die Räume bezogen sein. Wir sind gespannt.

Aber noch ungeduldiger betrachte ich die Randentwicklungen. Auf der Rückseite des BND hat Meermann zugeschlagen, der Herr mit dem gleichnamigen Immobilienunternehmen hat bereits 11 Reihenhäuser gebaut, plant weitere davon, sowie Eigentumswohnungen und ein Hotel im ehemaligen Krankenhaus. An der Chausseestraße selbst ist noch nicht soviel von der Entwicklung zu sehen. Ein Immobilienunternehmen ist in das Untergeschoss eines gegenüberliegenden Altbaus gezogen. Ich weiß nicht, ob in der Hoffnung den 4000 hier erwarteten BND-Mitarbeitern ein Direkt-Angebot unterbreiten zu können?

Dann hat sich noch jemand selbstständig gemacht und die Buchstaben „STADION DER WELTJUGEND“ über seiner neu erworbenen Gastwirtschaft abgenommen und gegen „Bakery deli“ eingetauscht. Der Neubesitzer muss auch Neuberliner sein, denn sonst hätte er die Buchstaben behalten und zum Leuchten gebracht.

Eine Tankstelle auf dem ehemaligen Mauerstreifen ist auch schon entstanden. Total erwartet seit wenigen Tagen wohlhabende Benzinkäufer gleich neben den Goldenen Häschen. Die andere musste dem BND-Bau weichen.

Aber zurück zur These „Der Wedding kommt“. Auch ich glaube, dass der Verwaltungsfusion niemals eine gelebte Fusion von Wedding und Mitte folgen wird. Aber ich denke Mitte wird sich ausweiten. Mit dem Bau des BND wird es Änderungen geben, die dem Wedding ein Teil seines Gebietes streitig machen werden. Sicher wird nördlich der Ringbahn der Besitz verteidigt werden, aber bis dahin hat die Fusion (die die meisten ja als Übernahme verstehen) eine Chance. Oder ist Hoffnung der Vater des Gedanken?

In der Nachbarschaft!

In der Chausseestraße sichern sich unsere Nachbarn ab!

Hinter den goldenen Häschen!

Wenn mich jemand fragt wo ich wohne, sage ich: Kurz hinter den Goldenen Häschen! Ich mag diese Beschreibung, weil ich somit auf das „Kaninchenfeld“ aufmerksam machen kann, welches sich auf der Chausseestraße auf Höhe des ehemaligen Grenzüberganges befindet. Die von Karla Sachse 1999 installierten Hasen faszinierten mich schon länger. Oft fuhr ich mit dem Fahrrad über sie hinweg. Richtig aufgefallen sind sie mehr erst, als die Straße saniert wurde und die Häschen fein säuberlich im neuen Teerbelag ihren Platz zurück bekamen.

Zu lange wusste ich nicht, was die Hasen mir sagen wollten. Bis endlich eine Studentin der Stadt- und Regionalplanung eine Antwort parat hatte: Die Häschen seien die Einzigen, die früher an dieser Stelle ungehindert die Straße überqueren konnten. Sie seien eine Erinnerung an die Teilung der Stadt. Kunst kann so schön sein!