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Steinerne Krone über den Fluten

Wir mussten feststellen, dass eine vollständig geschlossene Altstadt kein Alleinstellungsmerkmal von Concarneau ist, sondern vielmehr einer typischen Altstadtbauweise entspricht. In St Malo nun trafen wir auf die Krone diesen Types.

Hier sind die Häuser und Mauern vollständig aus dem grauen Granit der Region und bilden eine optische Einheit: eine granitene Zelle sozusagen. Dabei ist das meiste gar nicht alt, sondern nach dem Zweiten Weltkrieg – in dem Luftangriffe St-Malo zu 80% zerstörten – komplett im klassizistischen Stil des 18. Jh. wieder aufgebaut worden. Einzig die Mauer ist komplett erhalten geblieben. Auf dieser sind wir entlang gelaufen und haben die neue alte „Ville close“ in etwa einer Stunde umzingelt (mit Fotos machen).

Ville close in Concarneau

In Concarneau bezogen wir einen Stellplatz. Mit uns taten das ca. 40 andere Camper auch. Hier gab es etwas zu holen oder zu sehen. Der Stellplatz war kostenlos und somit für die meisten Camper höchst attraktiv. Geiz ist auch unter Campern geil. Sie machten es sich gemütlich: Holten ihre Trittstufen raus und stellten diese zusammen mit den Schmutzmatten vor die Türen. Wenn die Tür aufging, konnten wir einen Blick auf ihre Dekostreifen, die Insekten abhalten sollen, erhaschen. Anschließend wurden die Hunde geleint und Richtung Stadt geführt. Es musste hier also auch etwas zu sehen geben. Dem Baedecker war Concarneau ganze sieben Zeilen, aber immerhin zwei Sterne wert. Wir sind also auch Richtung „Centre Ville“ des größten Thunfischhafens Frankreichs – soviel wussten wir bereits. Am Platz vor dem Hafen drang Dudelsackmusik zu uns herüber. Fast wären wir der Musik gefolgt. Doch zunächst wollte mindestens eine von uns hinter die graue Fassade des dicken Mauerwerks blicken, welches mitten im Wasser stand. Rüber über die kurze Brücke und durch zwei Tore durch, gab sich ein unerwarteter Blick auf eine bunte, kleine und betriebsame Altstadt frei. Wir waren ebenso überrascht wie gepackt von dem Leben hinter diesen Mauern. Wir liefen durch die Straßen von Klein-Altstadt-Disney, aßen ein vorzügliches Drei-Gänge-Menü, das vor kurzem noch im Wasser außerhalb der dicken Mauern schwamm und waren viel zu spät wieder raus aus „Ville close“. Die Dudelsackmusik war noch immer zu hören und sich jetzt auch unserer Aufmerksamkeit gewiss.

Von einem Spektakel zum nächsten

Da die Tour so schnell an uns vorüber war und die Strecke sofort wieder frei gegeben, fuhren wir direkt weiter nach Avignon. Dort angekommen, parkten wir außerhalb der Stadtmauern unsere 3 Meter und 60 Kiste. Schon nach dem passieren der Porte Limbert. waren wir mittendrin im Spektakel von Avignon. Das berühmte Theaterfestival gab es hier. Die Stadt lockte Kunstinteressierte und hinter der Stadtmauer lockten Kunstschaffende einzelne Passanten. Werbeteams der Vorstellungen zogen durch die Straßen und versuchten mit Stehgreifdarbietungen auf ihre nächste Vorstellung aufmerksam zu machen. Auf den ersten Blick war klar, dass hier mehr Verrückte als in Berlin anzutreffen waren. Nur laufen sie hier verkleidet über die Straßen und fahren nicht U-Bahn. Aber mehr noch als Verrückte, gab es hier Plakate zu sehen. Überall hingen diese: An Häusern, an Laternen, an Zäunen, Bäumen und selbst Sitzbänke bestanden nur noch aus Plakaten. Unser Fazit: Avignon selbst lohnt schon einen Ausflug, aber zum Theaterfestival muss man unbedingt mal hin. [Süperküühl]