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Videonachtrag „out of Pankekiez“

Leider klappte es mit dem Hochladen der Videos auf unserer Reise nie. So dass wir diese heute nachschieben. Zunächst ein Eindruck vom Theaterfestival in Avignon:

Dann noch bewegte Bilder von tanzenden Bretonen. Hier in Concarneau und Quimper aufgenommen und zusammengeschnitten. Mit Tracht haben sie leider nie tanzen gesehen:

Dass wir während unserer Tour auf „La Tour“ getroffen sind, hatten wir geschrieben. Um den Satz „Die Tour begann mit 42 Werbeunterbrechungen“ zu unterstreichen, dieses Video für euch:

Dank der Ausreißergruppe dauerte aus Sicht des Straßenzuschauers die 14. Etappe inklusive aller Begleitfahrzeuge ganze drei Minuten. So sah es aus an der Straße, unweit von Villemus:

Unsere Tour stoppte für „La Tour“

Nach der Wanderung sind wir nach Villeneuve um die VE-Station zu nutzen, um anschließend frisch getankt die D4100 Richtung Apt rüberzufahren. Denn hier sollte die 14. Etappe der Tour de France entlang gehen. Wir entschieden uns für eine leichte Rechtskurve, an der wir unser Tourbasislager aufschlugen. Ab jetzt hieß es warten, noch 17 Stunden bis die Fahrer an dieser Stelle vorbei kommen. Langweilig sollten die nicht werden: Noch vor Mitternacht kamen zwei weitere Wohnmobile, ein deutsches und ein belgisches Ehepaar. Klar, das die erfahrene Tourbegleiter waren. Seit 10 Jahren sind sie dabei, immer drei Wochen, immer alle Etappen. Sie konnten uns zumindest Auskunft über die neuesten Dopingfälle, die Teams und das Gelbe Trikot geben. Um Mitternacht kam ein Landrover mit Wohnanhänger, der auf dem gegenüberliegenden Stoppelacker Halt machte. Die Nacht begann.

Geweckt worden sind wir von Geräuschen der ersten Tourverantwortlichen: Teams zogen die Strecke entlang und schlugen überall dort Holzpfähle in die Erde, wo andere ihre Zelte aufgeschlagen hatten. Daran befestigten sie Mülltüten mit offiziellem Tourlogo. Noch 6 Stunden bis die Fahrer kommen.

An Unterhaltung mangelte es uns bis dahin nicht. Der belgische Wohnanhängerfahrer baute sein Tourbasislager auf und wir schauten interessiert zu: Der Parabolspiegel wurde ausgeklappt, die Markise ausgefahren, die Campingstühle aufgebaut und die abgeschraubten Tourpfeile, eigentlich Hinweisschilder für die Fahrer, sichtbar drapiert. Zu guter letzt wurden die Fahnen gehisst. Belgien flatterte im für die Provence typischen Mistralwind. Als nächstes kam der Bauer, dem der gegenüberliegende Stoppelacker gehörte und verlangte vom belgischen Wohnanhänger jedem weiteren Tour-Camper 2 Euro abzukassieren. Auch wenn er selbst noch geduldet werden sollte, so wollte er nicht zum Helfer degradiert werden. Er holte alles wieder ein und wechselte die Straßenseite. Das gleiche Equipment-Ritual nun direkt neben uns. Fortan waren wir zu viert auf unserer Seite. Noch 5 Stunden bis die Fahrer kommen.

Zwei weitere Autos – die ersten Franzosen – kamen. Ausgerüstet mit Sonnenschirm und Kühlbox stellten sie sich dazu. Noch 4 Stunden bis die Fahrer kommen.

Es fuhren 5 Wagen der Gendarmerie vorbei und verlangsamten auf unserer Höhe ihr Tempo. Die Kolonne stoppte und der dickliche Chef vorn stieg aus, watete zum Mannschaftsbus und befahl einem der Insassen auszusteigen. Die Tür sprang auf und einer stieg mit seinem Rucksack aus. Jetzt waren wir schon 7 und noch 3 Stunden bis die Fahrer kommen.

Alle vorbeifahrenden Autos nahmen uns fröhlich zur Kenntnis: hupten und grölten. Irgendwann verhallte dies und es wurde verdächtig ruhig auf der Straße. Offensichtlich wurde die D4100 für den öffentlichen Verkehr gesperrt. Es fuhren nur noch offizielle Wagen durch. Noch 2 Stunden bis die Fahrer kommen.

Bald darauf begann die Tour. Zunächst mit 42 Werbeunterbrechungen. Rollende Käse, Fahrende Mülltonnen, Kaffeetassen, Betten und Wasserflaschen fuhren an uns vorbei. Mit ihnen kam der Karneval französischer Art: Werbe-Kamelle landeten vor unseren Füßen. Noch 1 Stunde bis die Fahrer kommen.

Dann ging alles sehr schnell. Die fünf Hubschrauber in der Luft kündigten das herannahende Feld an. Hätte es keine 4 Ausreißer auf dieser 14. Etappe gegeben, wäre es ein Minutenereignis geworden. Durch die Führungstruppe kamen zusammen mit allen Begleitfahrzeugen immerhin 3 Minuten Live-Tourerlebnis heraus. Das Fahrerfeld war vorbei, die anderen Wohnmobile schnell abgereist. Alles ging so hektisch, dass sogar wichtiges Equipment liegen blieb. Das deutsche Ehepaar mit der 10jährigen Tourerfahrung wird bis Paris sehr genau die Standorte aussuchen müssen. Sie hatten ihren Wagenheber zum Aufbocken des Tourheimes vergessen. Selbst die Mülltüten waren schneller wieder abgebaut, als wir den Platz räumen konnten. Für Tourunerfahrene wie uns darf gelten: Die Ersten werden die Letzten sein.