Heute war Selbermachtsonntag

selbermachsonntag

Irgendwas muss man an regenreichen Tagen bieten. Programm und Bespaßung sind dann gefragt. Früher oder später wird diese Anforderung auf uns zukommen! Heute habe ich mal ausprobiert, ob ein Regensonntagsangebot das Kneten sein könnte. Hier seht ihr das Ergebnis. Meine allerersten drei Knetfiguren, die ich jemals gebastelt habe.

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Er trägt schon 68 und ich?

Soviel wollte ich nebenbei machen. Ein Buch schreiben oder zumindest regelmäßig Texte für diese Seite hier. Einen Master machen oder zumindest einen VHS-Kurs abschließen. Einmal das Mittelmeer umfahren oder zumindest Frankfurt am Main gesehen haben. Nach 9,5 wochen habe ich das erste Kapitel begonnen, mich in Kinderkrankheiten und Babypflege weitergebildet und bin schon bis nach Kiel zu meinen Schwiegereltern gereist.

Unser Nachwuchs trägt bereits Größe 68 und aus mir ist immer noch keine Heidi Klum, Angelina Jolie oder Michelle Obama geworden. Sie machen es uns vor: Eine Mutter umsorgt liebevoll ihr Kind und versorgt souverän den Haushalt. Sie pflegt gute Beziehungen zu allen Freunden, Verwandten und Anverwandten. Sorgt für ihren Lebenspartner/Mann und liest ganz nebenbei die neuesten Fachbücher der Gesundheits- und Ernährungswissenschaft. So wird sie später nicht nur Ökotrophologin, sondern kann nebenbei als Foodjournalistin etwas dazuverdienen!

Ich bin nicht wie diese Rolemodels und entspreche schon gar nicht den Werbebildern einer jungen Mutter. Aber welche Mutter tut dies schon? Zum Milch abpumpen lege ich weder Schmuck an, noch trage ich Schminke auf. Die Frau auf der Verpackung meiner Pumpe schon! Ich öffne dem Postboten auch nachmittags noch im Bademantel die Tür, obwohl ich bereits seit Stunden auf den Beinen bin. Das Kind auf meinem Arm lächelt nicht, sondern unterhält sich mit mir. Andere würde sagen: Es schreit! Dabei vermitteln mir Elternmagazine, Bücher, Werbe- und Kinofilme ein anderes Bild. Ich bin reingelegt worden. Ich bin weder eine Re-Start-, noch eine Multi-Handling- und schon gar keine Latte-Macchiato-Mutter. Mir ist nicht klar, welche Lebenswelten Fanta und das Zukunftsinstitut untersucht haben, um diese und 6 weitere Muttertypen zu entdecken.

Aber im Ernst! Was ich festhalten möchte ist, dass eine Mutter heute beides sein soll: Fels in der Familienbrandung und Arbeitsbiene. Das viele Frauen auf diese Anforderung mit der Reduktion ihrer Arbeitszeit reagieren, kann ich zumindest verstehen, wenn auch nicht nachmachen. Ich muss den Beweis noch antreten, dass ich Vollzeit arbeiten gehen und mich um den Nachwuchs zur Hälfte kümmern kann. Ich hoffe, dass ich an diesem öffentlichen und auch eigenen Anspruch nicht scheitern werde.

Und dennoch weiß ich, dass ich trotz der beabsichtigten voll umfänglichen Arbeitsplatzausübung für viele KollegInnen nach meiner Rückkehr nicht mehr die gleiche sein werde. Ich werde um 16.15 Uhr das Haus verlassen, weil ich den Kindergarten vor seiner Schließung erreichen muss. Letzte Woche habe ich den Betreuungsplatz für unseren Kurzen klar gemacht. Seit dem denke ich viel über mein Vereinbarkeitsexperiment nach. Das Objekt unserer Kinderbetreuungsbegierde hat bis 17 Uhr geöffnet. Ich kann und will mich darüber nicht beschweren. Ich kann nicht, weil in vielen Teilen Deutschlands dies als Betreuungsoase gilt, angesichts einiger Orte, in denen Kinder um 12 abgeholt und nach dem Verzehr des heimisch zubereiteten Mahls wieder hingebracht werden. Und ich will nicht, weil nicht längere Öffnungszeiten, sondern eine Änderung unserer Arbeitskultur die Lösung sein muss. Leider hat sich diese Erkenntnis noch nicht sehr weit durchgesetzt. Vielmehr wird erwartet, dass wenn man sich schon die Beine ausreist, dass man mit den Armen einfach ebenso verfährt. Ich erwische mich oft bei der Frage wie viel Kinder man max. haben kann, wenn man Vollzeit tätig bleiben will?

Wann endlich sind Termine nach 16.00 Uhr Vergangenheit? Wann endlich gilt der junge Mann, der am nächsten Tag übermüdet über den lang gewordenen Arbeitstag stöhnt, als unorganisiert statt bewundernswert? Wann endlich proben junge Frauen in den Betrieben den Aufstand, statt das Teilzeitmodell?

Das werde ich in den nächsten Jahren sicher häufiger fragen. Ich bin nicht mehr Teil dieser Arbeitskultur, sondern fühle mich von ihr bedroht. Ich habe die Seiten gewechselt. Wahrscheinlich bin ich nichts weiter als eine Lobbyistin. Und die haben es bekanntlich nicht leicht.

Ohne Worte

Jetzt geht alles sehr schnell

Ich habe lange nichts über den Laden im Nachbarhaus geschrieben. Dabei ist immer mal etwas passiert. Nur waren es leider keine grundlegenden Bewegungen, von denen ich hätte berichten können. Vielmehr stand ich viele Morgen vor der Schaufensterscheibe und fragte mich, ob nicht doch jemand da gewesen ist. Aber der Reihe nach:

Ende 2008 wurde ich fast täglich mit neuen selbstgemalten Botschaften umworben. Der Ladenbesitzer pinselte gegen seine kaufmännische Herbstdepression. Er preiste wechselnd die Sonderkonditionen aller Handyatrifmodelle und -anbieter. Als erstmals auch ein Kindermotorrad im Angebot war, bekam ich den Hauch einer Ahnung, dass hier alles versucht wird. Vor ein paar Tagen nun standen die Ausstattungsutensilien der Anbieterfirmen zum Verkauf. Wer zwei Nokia-Regale erwerben wollte, brauchte dafür nur 50 Euro. Nur kaufen konnte man sie nie, denn zur Überbrückung von Angebot und vielleicht vorhandener Nachfrage fehlte der Verkäufer. Seit Wochen war er nicht mehr aufgetaucht und die angeschlagenen Öffnungszeiten nicht mehr als eine Absichtserklärung.

angebote

Mich hatte die geschlossene Ladentür noch nicht irritiert. Zu Beginn des Jahres traf ich auf das gleiche Bild. Dieses wurde dann um einen Zettel erweitert, auf dem vermerkt war, dass er sich um seinen zweiten Laden derzeit mehr kümmere und demnach in der Badstraße zu erreichen sei. Dieser Ladenzustand wurde abgelöst von einer kleinen Sortieraktion und neuem Personal: die Handyangebote verschwanden unter den Ladentisch und das Reisebüroregal wurde entstaubt und nach vorn geschoben. Ein kleiner Schreibtisch ersetzte die Ladentheke und der Verkäufer jetzt täglich im Geschäft. Nur hatte er auf einmal einen hochtoupierten Zopf und war während der Öffnungszeiten vorrangig am Zustand seiner Fingernägel interessiert. Seine Schwägerin/Schwester/Freundin oder Bekannte war aber ebenso unerfolgreich und schonbald blieb die Tür wieder verschlossen. Die zu Verschönerungszwecken aufgestellten Blumen vertrockneten.

Ich musste jetzt sehr aufmerksam beobachten, um herauszufinden, ob überhaupt noch jemand den Laden betrat. Manchmal war der Stuhl morgens etwas weiter vom Tisch abgerückt als abends. Die Tür zum Hinterraum stand mal auf und war anderntags doch auch mal verschlossen. Auffälliger war das Ausräumen bestimmter Gegenstände. Eines Tages fehlte ein Wandregal, dann lag mehr Müll auf dem Boden oder Waren aus dem Schaufenster verschwunden. Lange war klar, das wird nicht mehr gut. Meine Vertragsverlängerung habe ich lieber online vorgenommen, statt dieses Geschäft aufzusuchen.

Jetzt in den letzten Tagen ging doch alles sehr schnell. Noch bevor ich realisierte, dass die nächtlichen Räumaktionen die Auflösung des Ladens bedeuteten, hingen neue Leute in Arbeitsklamotten hinter der Glasscheibe rum. Was die neuen Mieter auf den Markt bringen werden, ist noch geheim. Sie haben sich hinter Tageszeitungseiten verbarrikadiert:

zeitungsgeheimnis

Die Tasche steht wieder im Schrank

Der erste Monat liegt hinter mir. Ich lebe jetzt in einer neuen Zeitrechnung, sozusagen n.Ge* wie Leute mir glauben machen wollen, die ihr Leben nur noch in ein Davor und ein Danach teilen, sobald das erste Kind geboren ist. Keine Frage, so ein Kind ist ein einschneidendes Erlebnis, aber eben auch kein Tsunami. Es hat sich über mehrere Monate angekündigt und durch verschiedenste Instrumente stetig bemerkbarer gemacht. Ich persönlich kann dem verbalen Getöse nichts abgewinnen. Nur damit keine Missverständnisse aufkommen: Der Kleine ist zuckersüß und hat unsere Herzen schnell erobert, aber es muss dennoch erlaubt sein zu sagen, das zuviel einfach zuviel ist. Ich persönlich begrüße es sehr, dass Frauen heute nicht mehr auf das Kinder bekommen reduziert sind. Sie besitzen heute Qualifikationen und Bedürfnisse, Fähigkeiten und Wünsche, die sie nach mehr streben lassen. Heute muss keine Frau mehr ihr Leben lang mit Geschichten von der Geburt ihrer Kinder alle An(Verwandten) tausendfach langweilen. Es werden nicht die einzigen Höhepunkte in ihrem Leben bleiben. Diese Aussicht stimmt mich versöhnlich mit der jetzigen Situation: Zu Hause und in der Kernarbeitszeit allzeit zuständig für den Nachwuchs zu sein. Ich habe mich dazu entschlossen 12 Monate Elternzeit zu nehmen und somit den weit größeren Anteil der zustehenden 14 Monate nutzen. Ich könnte jetzt sagen, weil es nicht anders geht. Das erscheint uns so, aber ob es stimmt, weiß ich bis heute nicht. Und dennoch klage ich auf hohem Niveau, denn das Büro des Dritten im Bunde befindet sich in den Betreuungsräumen und so kann er unterstützend eingreifen. Macht er auch. Purer Luxus im Vergleich zu den Werktätigen, die morgens pünktlich aus dem Haus müssen und erst nach vollschichtiger Tätigkeit zurückkehren.

Und dennoch bin ich einiges entfernt von den Vorstellungen einer emanzipierten Familie, die Lisa Ortgies in einem Plädoyer zusammengefasst hat. Dieses Plädoyer erscheint Mitte August im Buchhandel und ich bin mir sicher zwischen den Buchklappen lassen sich viele kluge Gedanken finden. Denn vor kurzem konnte ich mich auf einer Veranstaltung der FES davon überzeugen, dass sie viele Ideen für eine gerechtere und zugleich organisierbarere Familienarbeit zusammengetragen hat. Ich bin gespannt und habe es daher schon vorbestellt.

Wieviel ich zum Lesen komme, hängt von meinem Organisationstalent ab. Ich verabscheue zwar den Begriff der Familienmanagerin, nicht weil ich ihn für falsch halte – hier ist viel zu managen und oft müssen drei Dinge mit einer freien Hand erledigt werden – sondern, weil er zu oft missbraucht worden ist. Ich brauche keine verbale Aufwertung meiner derzeitigen Tätigkeiten aus konservativer Ecke. Denn die meint damit meist, ich könnte bei diesen Aufgaben bleiben. Das wollen aber immer weniger Frauen. Das Modell Hausfrau wird ebenso abgelehnt, wie die Supermutti, die alles kann. Insofern freue ich mich auf das „Plädoyer für eine emanzipierte Familie“, denn ich erwarte die Beschreibung des goldenen Mittelweges. Nicht mehr und nicht weniger!

* nach Geburt

Die Heide ist frei!

Freie Heide

17 Jahre dauerte der Protest, den die Menschen vor Ort unterhielten, um die Wiederinbetriebnahme eines ehemaligen Schießplatzes durch die Bundeswehr zu verhindern. Gestern nun gab es erste ernstzunehmende Hinweise darauf, dass dieser Widerstand erfolgreich war. In Fretzdorf nahmen es am Abend des 09. Juli 2009 die Ersten zum Anlass für eine kleine Zwischenfeier. Hoffentlich bleibt diese Freude nicht im Halse stecken und das Ziel erreicht.

Zum Hintergrund:
Das Gelände zwischen Wittstock, Rheinsberg und Neuruppin wurde nach 1950 vom sowjetischen Militär schrittweise besetzt, die Eigentümer zwangsenteignet, ein Artillerieschießplatz und Bombenabwurfplatz eingerichtet. Dieses Bombodrom hatte eine Fläche von 144 km² und erreichte 20 km in Nord-Süd- und maximal 10 km in Ost-West-Ausdehnung. Im persönlichen Erleben der Menschen in der Nachbarschaft ging der 2. Weltkrieg praktisch noch Jahrzehnte weiter.

Nach der deutschen Einigung 1990 begann die Bevölkerung, die zivile Nutzung zu gestalten. So wurden erste Schritte für die touristische Erschließung getan und ein Wegenetz konzipiert. Die Bundeswehr ermutigte dies anfangs, veröffentlichte aber 1992 den Plan, das Bombodrom ,,weiternutzen” zu wollen, worauf der Protest entstand, der bis heute anhält.

Am 22. Dezember 1993 übertrug das Bundesvermögensamt die Liegenschaft an die Bundeswehr. Fast gleichzeitig verschickte die Oberfinanzdirektion Cottbus Eigentumstitel an Gemeinden, Kirchgemeinden und einige Privatpersonen. Im Frühjahr 1994 wurde gemeinsam eine Klage auf Unterlassung der militärischen Nutzung und Herausgabe des Eigentums eingereicht.

Entscheidend war die Klage der anliegenden 14 Gemeinden, die sie mit ihrem grundgesetzlich verankerten Planungsrecht begründeten. Sie bekamen in der ersten und zweiten Instanz recht, weil der Einigungsvertrag, auf den sich die Bundeswehr berief, keine expliziten Weiternutzungsrechte für Flächen der Alliierten vorsah. Die Bundeswehr müsste somit die Neueinrichtung des Truppenübungsplatzes und ein Planungsverfahren anstreben. Alle eigentumsrechtlichen und anderen Fragen wurden dem oben beschriebenen Verfahren untergeordnet.

Bereits vor dem Verfahren am Bundesverwaltungsgericht war klar, dass auf eine Bestätigung der Vorinstanzen nicht zwingend eine zivile Nutzung des Geländes folgt. Die Bundeswehr kann sich auf die grundgesetzliche Aufgabe der Landesverteidigung berufen und im Rahmen eines Planungsverfahrens einen Truppenübungsplatz einrichten. Dazu gibt es das “Landbeschaffungsgesetz”, das ihr bei entsprechender Begründung den Zugriff auf jede Fläche in der Bundesrepublik sichert. Die Enteignungen wären hier aber eine Festschreibung des stalinistischen Unrechts und diese politische und emotionale Brisanz in Ostdeutschland war sicher ein Auslöser für die ausgedehnten Proteste.

Die Reduzierung der deutschen Luftwaffe seit Anfang der 90er erschwert andererseits den Nachweis des Bedarfs für die Bundeswehr weiter. Jetzt – mit 17jähriger Verspätung – kann die Entwicklung der Region vorangehen. Der entstandene Investitionsstau kann sich entladen und der sanfte Tourismus in allen Teilen des Gebietes Einzug erhalten.

20 Jahre Mauerfall

Einheit

Auf der Grünfläche Chauseestraße/Liesenstraße steht das von Hildegard Lest bereits 1962 – also ein Jahr nach dem Mauerbau – entworfene Kunstwerk „Wiedervereinigung“. Es wurde damals so aufgestellt, das mit Blick in Richtung des Grenzüberganges Chausseestraße es aussah, als reichten sich zwei Menschen über eine Kluft die Hände.
Heute ist diese Kluft verschwunden und der Grenzübergang Chausseestraße würde beim Passieren der ehemaligen Kontrollstelle ohne die aufgestellte Erinnerungsplexitafel unbemerkt bleiben. Die Wiedervereinigung, die sich Hildegard Leest 1962 wünschte, ist bereits 20 Jahre Realität. Ost und West haben sich die Hände gereicht – zumindest einige.

Als ich vor einigen Tagen auf die Grünfläche einbog, leuchtete die aus Muschelkalkstein gefertigte 2,40 Skulptur heller als an anderen Tagen. Das Kunstwerk wurde „neuzeitlich interpretiert“ und von einem Unbekannten um einen orangefarbenen Plus-Einkaufswagen erweitert. Wollte uns dieser nicht entdeckte Interpret damit sagen, das die fehlende Warenvielfalt, der eingeschränkte Konsum und die häufigen Versorgungsengpässe den Wunsch von Hildegard Leest erfüllten?