Beiträge vom Juli 2008

Der Satz „Wir fahren von der Provence in die Bretagne“ klingt. Wenn man es dann selbst macht, fallen einem viele Begriffe ein, aber sicher keine schönen. Frankreich ist groß. Um halb acht Uhr hatten wir die mediteran-französische Frankreich-Grenze passiert. Zum ersten Mal seit Mailand tragen wir wieder Socken und festes Schuhwerk. Den Rest des Abends haben wir gebraucht, um die Autobahn zu erreichen. Zwischenzeitlich hatten wir die Heizung angemacht. Der erste Rastplatz auf der A 75 wird unser Schlafplatz. Schlafen an der Autobahn ist so ganz anders als in Deutschland. Hier ist reichlich Platz, kaum ein LKW verstellt die Rastmöglichkeiten. Wir können wählen zwischen 20 netten Möglichkeiten. Unter Bäumen neben einem Tisch mit Bank machen wir Halt. Schlafen kann man hier auch besser: kaum Verkehr auf der Bahn. Am nächsten Morgen geht es direkt nach dem Frühstück weiter: A75, A 71, A 85. Um …. Uhr erreichen wir die Bretagne. [Die Uhrzeit wird nachgetragen, sobald wir angekommen sind. Wir sitzen gerade an einer WiFi-fähigen Raststätte und bloggen]
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Hier in Frankreich haben sie die Gestalt einer übergroßen, in der Abendsonne rot leuchtenden Figur, die über dem Tal auf einem Berg trohnt. Eher zufällig entdecken wir die Notre-Dame-de-France. Sie ist 16 m hoch und wurde aus dem Eisen von 213 Kanonen, die im Krimkrieg erbeutet worden waren, gegossen. Im Innern ist eine Treppe – entnehmen wir unserem Baedecker – die einen herrlichen Blick ermöglichen soll. Der Berg auf dem sie steht ist 140m hoch und dominiert zusammen mit den anderen ausgewitterten Vulkanschloten das Stadtbild. Le Puy-en-Velay hinterlässt bei uns Eindruck.

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Wir sind auf den Baedecker hereingefallen. Er hatte die Ardèche als Kajakparadies gepriesen und wir sind hin. Die Tigrihüppe und Avalon warteten auf ihren ersten Einsatz. Vor Ort wurde schnell klar, sie müssen weiter warten. Die Ardèche hielt einige Untiefen und schnelle Stellen bereit, die unsere Boote nicht überstanden hätten. Wir machten dennoch Station und schlossen uns den anderen 3 Millionen Wassertouristen an, die alle eine Canyoning-Tour für den nächsten Tag gebucht hatten. Um 11 Uhr ging es los. Schwimmwesten, wasserdichte Fässer, Antiabhau-Brillenbändchen und Paddel wurden verteilt. Die Boote abgezählt und auf den Hänger geladen, die Personen in den Bus verfrachtet. Wir wurden stromaufwärts gebracht, um dort ins Wasser gelassen zu werden.
12 andere Campingplätze hatten auf die gleiche Art ihre Canyoning-Ausflügler bereits ins Nass geschmissen. Die Massen versuchten sich – augenscheinlich zum ersten Mal – am Paddeln. Zum Glück hatten wir die kurze 7 km-Tour gebucht und konnten der Versuchung 24 oder 32 km zu paddeln widerstehen. An Stopp Nummer vier durften wir wieder raus und waren nach 60 Minuten der französischen Paddel-Beginner-Hölle entflohen. Nachdem die Hosen wieder trocken waren, sind wir sofort weiter. Rüber auf die andere Seite, ran an die Atlantikküste, rein in die Bretagne.

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Als Beifahrer lohnt ein Aussteigen an französischen Tankstellen so gar nicht. Kein Shop in dem man ein Eis oder ein Brötchen, eine Zeitschrift oder andere wichtige Dinge kaufen könnte. In Frankreich gibt es meist nur Kassenhäuschen in denen alte Männer oder dicke Frauen sitzen, um den genauen Geldbetrag, den der Kraftstoff gekostet hat, entgegenzunehmen.
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Nach dem Theaterspektakel war uns nach Ruhe. Auch wenn es am Abend noch ein kleines Stück Straße bedeutete, steuerten wir ein camperfreundliches Weingut an. In der Cotes du Rhone lud die Domaine des Lauribert auf den Hof. Für uns waren VE-Station und Strom bereitgestellt. Für diesen Service erwartete man lediglich Interesse an ihrem Wein. Nichts leichter als das. Unsere mitgebrachten Weinvorräte gingen eh zur Neige. Am Morgen blickten wir über die Weiten des Gutes und ließen uns zum Kauf von vier Flaschen hinreißen. Offensichtlich ist die Verbindung von Wein und Camping keine Ausnahme. Wir entdeckten den Wein-Campingführer im Verkaufsladen. Wenn wir wollten könnten wir von Rebe zu Rebe ziehen. Auf dem Weg zurück zur Straße erfüllten wir auch endlich unsere Fotografen-Pflicht und machten das Provence typische Bild: ein Haus im Hintergrund langer lila Lavendelreihen.
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Da die Tour so schnell an uns vorüber war und die Strecke sofort wieder frei gegeben, fuhren wir direkt weiter nach Avignon. Dort angekommen, parkten wir außerhalb der Stadtmauern unsere 3 Meter und 60 Kiste. Schon nach dem passieren der Porte Limbert. waren wir mittendrin im Spektakel von Avignon. Das berühmte Theaterfestival gab es hier. Die Stadt lockte Kunstinteressierte und hinter der Stadtmauer lockten Kunstschaffende einzelne Passanten. Werbeteams der Vorstellungen zogen durch die Straßen und versuchten mit Stehgreifdarbietungen auf ihre nächste Vorstellung aufmerksam zu machen. Auf den ersten Blick war klar, dass hier mehr Verrückte als in Berlin anzutreffen waren. Nur laufen sie hier verkleidet über die Straßen und fahren nicht U-Bahn. Aber mehr noch als Verrückte, gab es hier Plakate zu sehen. Überall hingen diese: An Häusern, an Laternen, an Zäunen, Bäumen und selbst Sitzbänke bestanden nur noch aus Plakaten. Unser Fazit: Avignon selbst lohnt schon einen Ausflug, aber zum Theaterfestival muss man unbedingt mal hin. [Süperküühl]

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Nach der Wanderung sind wir nach Villeneuve um die VE-Station zu nutzen, um anschließend frisch getankt die D4100 Richtung Apt rüberzufahren. Denn hier sollte die 14. Etappe der Tour de France entlang gehen. Wir entschieden uns für eine leichte Rechtskurve, an der wir unser Tourbasislager aufschlugen. Ab jetzt hieß es warten, noch 17 Stunden bis die Fahrer an dieser Stelle vorbei kommen. Langweilig sollten die nicht werden: Noch vor Mitternacht kamen zwei weitere Wohnmobile, ein deutsches und ein belgisches Ehepaar. Klar, das die erfahrene Tourbegleiter waren. Seit 10 Jahren sind sie dabei, immer drei Wochen, immer alle Etappen. Sie konnten uns zumindest Auskunft über die neuesten Dopingfälle, die Teams und das Gelbe Trikot geben. Um Mitternacht kam ein Landrover mit Wohnanhänger, der auf dem gegenüberliegenden Stoppelacker Halt machte. Die Nacht begann.
Geweckt worden sind wir von Geräuschen der ersten Tourverantwortlichen: Teams zogen die Strecke entlang und schlugen überall dort Holzpfähle in die Erde, wo andere ihre Zelte aufgeschlagen hatten. Daran befestigten sie Mülltüten mit offiziellem Tourlogo. Noch 6 Stunden bis die Fahrer kommen.
An Unterhaltung mangelte es uns bis dahin nicht. Der belgische Wohnanhängerfahrer baute sein Tourbasislager auf und wir schauten interessiert zu: Der Parabolspiegel wurde ausgeklappt, die Markise ausgefahren, die Campingstühle aufgebaut und die abgeschraubten Tourpfeile, eigentlich Hinweisschilder für die Fahrer, sichtbar drapiert. Zu guter letzt wurden die Fahnen gehisst. Belgien flatterte im für die Provence typischen Mistralwind. Als nächstes kam der Bauer, dem der gegenüberliegende Stoppelacker gehörte und verlangte vom belgischen Wohnanhänger jedem weiteren Tour-Camper 2 Euro abzukassieren. Auch wenn er selbst noch geduldet werden sollte, so wollte er nicht zum Helfer degradiert werden. Er holte alles wieder ein und wechselte die Straßenseite. Das gleiche Equipment-Ritual nun direkt neben uns. Fortan waren wir zu viert auf unserer Seite. Noch 5 Stunden bis die Fahrer kommen.
Zwei weitere Autos – die ersten Franzosen – kamen. Ausgerüstet mit Sonnenschirm und Kühlbox stellten sie sich dazu. Noch 4 Stunden bis die Fahrer kommen.
Es fuhren 5 Wagen der Gendarmerie vorbei und verlangsamten auf unserer Höhe ihr Tempo. Die Kolonne stoppte und der dickliche Chef vorn stieg aus, watete zum Mannschaftsbus und befahl einem der Insassen auszusteigen. Die Tür sprang auf und einer stieg mit seinem Rucksack aus. Jetzt waren wir schon 7 und noch 3 Stunden bis die Fahrer kommen.
Alle vorbeifahrenden Autos nahmen uns fröhlich zur Kenntnis: hupten und grölten. Irgendwann verhallte dies und es wurde verdächtig ruhig auf der Straße. Offensichtlich wurde die D4100 für den öffentlichen Verkehr gesperrt. Es fuhren nur noch offizielle Wagen durch. Noch 2 Stunden bis die Fahrer kommen.
Bald darauf begann die Tour. Zunächst mit 42 Werbeunterbrechungen. Rollende Käse, Fahrende Mülltonnen, Kaffeetassen, Betten und Wasserflaschen fuhren an uns vorbei. Mit ihnen kam der Karneval französischer Art: Werbe-Kamelle landeten vor unseren Füßen. Noch 1 Stunde bis die Fahrer kommen.

Dann ging alles sehr schnell. Die fünf Hubschrauber in der Luft kündigten das herannahende Feld an. Hätte es keine 4 Ausreißer auf dieser 14. Etappe gegeben, wäre es ein Minutenereignis geworden. Durch die Führungstruppe kamen zusammen mit allen Begleitfahrzeugen immerhin 3 Minuten Live-Tourerlebnis heraus. Das Fahrerfeld war vorbei, die anderen Wohnmobile schnell abgereist. Alles ging so hektisch, dass sogar wichtiges Equipment liegen blieb. Das deutsche Ehepaar mit der 10jährigen Tourerfahrung wird bis Paris sehr genau die Standorte aussuchen müssen. Sie hatten ihren Wagenheber zum Aufbocken des Tourheimes vergessen. Selbst die Mülltüten waren schneller wieder abgebaut, als wir den Platz räumen konnten. Für Tourunerfahrene wie uns darf gelten: Die Ersten werden die Letzten sein.
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Der Grand Canyon du Verdon kann sich sehen lassen. Um 6 Uhr ging der Wecker und nach zweimaligem Drücken der Schlummertaste waren wir um halb acht auf der Strecke. Wir waren in den 5,5 Stunden nie gelangweilt von unserer Umgebung. Zunächst ging es vom Chalet hinunter in die Schlucht und dann stromaufwärts entlang des Verdon. Auf der Strecke wartete eine 100 m lange, 200 Stufen supersteil hinabgehende Metalltreppe auf uns. Einige Seilhandläufe und ein kurzer und ein 700m langer Tunnel krönten unseren Ausflug. Am Zielort stand natürlich kein Taxi bereit, dass uns sofort zurückbrachte. Wir mussten auf unsere Dusche geschlagene 50 Minuten Warte- und 20 Minuten Fahrzeit warten. Das war eine große Freude, als wir diese dann trafen.

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Wir waren mal auf einer Badeinsel 7 Tage Urlaub machen und verbrachten (abzüglich Jogging) ganze 58 Minuten am Strand. Das ist in diesem Urlaub anders: Wir sehen Wasser und wollen rein. So auch auf dem Weg von der Côte d’Azur zum Grand Canyon du Verdon. Eigentlich wollten wir länger an der Küste bleiben, aber der anvisierte Stellplatz in Ramatuelle war „complete“. Ein anderer Platz war im Umfeld von 5km nicht zu finden, da alle Parkplätze rund um St. Tropez nicht für uns oder unsere Uhrzeit waren. Sie hatten entweder Höhenbarrieren zwischen 1,90 und 2,10 oder waren bereits geschlossen. Schon eigenartig: Ein 24h geöffneter Mittelmeerstrand kann nur bis 19h angefahren werden, weil ab diesem Zeitpunkt die Parkplätze im Umfeld des Strandes Autos zwar noch freigeben, aber nicht mehr aufnehmen.
Wir wollten uns nicht ärgern lassen und sind einen Tag früher als gedacht hoch gefahren: Mitten rein in die Provence. Der Grand Canyon du Verdon war unser Ziel und am Abend unerreichbar. In Villecroze übermannte uns die Müdigkeit und zwang uns zur Nacht. Alles andere wäre eine Tortour und keine Tourtour, wie der Nachbarort von Villecroze heißt. Aber zur „La Tour“ kommen wir später. Weiter in unserer Frankreich-Tour.
Nach einer Nacht in Villecroze, einmal tanken und frühstücken in Aupt nahmen wir wieder Kurs auf die Verdunschlucht. Doch das ankommen sollte sich abermals verzögern, denn im Weg lag der Lac de Sainte Croix. Eine super Entschädigung für das frühere Verlassen der Mittelmeerküste.
Nach der Erfrischung im See ging es zur Schlucht oder vielmehr mit dem Auto drum herum: Wir wollten sie nicht nur sehen, sondern auch unsere Wanderung für den folgenden Tag vorbereiten. Da dies keine Rundkurs werden sollte, wollten wir Ziel- und Ausgangspunkt überprüfen, ob man die im Wanderführer angegebene Infrastruktur wirklich vorfindet. Denn mit einem Taxi sollte es nach der Wanderung vom Ziel- zum Ausgangspunkt gehen. Alle Angaben unseres Wanderführers schienen zu stimmen. Wir nahmen Kurs auf den Ausgangspunkt, das Chalet de la Maline. Auf dem Weg halfen wir einem Familienvater, der die Wander-Planungen für seine Mädels etwas ambitioniert gestaltet hatte und jetzt trampen musste, um ihnen das Auto zu holen. Kaum hatten wir ihn abgesetzt, gabelten wir zunächst ein belgisches Pärchen und später noch ein französisches Pärchen auf, um sie zu ihren Autos zu bringen. Diese standen am Ausgangspunkt unserer Wanderung für den nächsten Tag. Also blieben wir gleich, um früh aufbrechen zu können am Chalet de la Maline.
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